Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter

Kleine Leseprobe

Ein Schicksalhafter Flug

Eragons Gedanken überschlugen sich. Er rannte, so schnell er konnte, und blieb nicht einmal stehen, als er nur noch keuchend nach Luft schnappen konnte. Während er die verschneite Straße entlanglief, versuchte er, mit seinem Geist Saphira zu erreichen, aber sie war zu weit entfernt. Er überlegte, was er Garrow sagen sollte. Jetzt blieb ihm nichts anderes mehr übrig; er müsste ihm von dem Drachen erzählen.

Als er das Haus erreichte, war er völlig außer Atem, und sein Herz raste. Garrow stand gerade mit den Pferden vor der Scheune. Eragon zögerte. Soll ich jetzt gleich mit ihm reden? Er wird mir nicht glauben, solange er Saphira nicht mit eigenen Augen sieht – es ist wohl besser, wenn ich sie zuerst hole. Er rannte um den Hof herum und in den Wald. Saphira!, rief er im Geiste.

Ich komme, war die schwache Antwort. Er wartete ungeduldig, doch es dauerte nicht lange, bis über der Lichtung das Geräusch ihrer Flügelschläge ertönte. Sie landete inmitten einer aufwirbelnden Schneewolke. Was ist passiert?, wollte sie wissen.

Er legte ihr die Hand auf die Schulter, schloss die Augen und zwang sich zur Ruhe, dann schilderte er ihr rasch die Geschehnisse. Als er die beiden Fremden erwähnte, schrak Saphira zusammen. Sie bäumte sich auf und stieß ein ohrenbetäubendes Gebrüll aus, dann ließ sie ihren Schwanz über seinen Kopf hinwegsausen. Er sprang überrascht zurück und duckte sich, als der Schwanz in einen Schneehügel schlug. Panik und wilder Blutdurst lagen in der Geste. Feuer! Feinde! Tod! Mörder!

Was ist los? Er legte seine ganze Kraft in diese Worte, aber eine eiserne Mauer um ihren Geist schirmte ihre Gedanken ab. Sie brüllte erneut auf und hieb die Klauen in die Erde, sodass der gefrorene Boden aufriss. Sei still!, warnte er. Garrow kann dich hören!

Schwüre gebrochen, Seelen getötet, Eier zerschlagen! Überall Blut. Mörder! Angstvoll wehrte er Saphiras überkochende Wut ab und beobachtete argwöhnisch ihren Schwanz. Als er erneut auf ihn zusauste, sprang er mit einem schnellen Satz an ihre Seite und packte einender Zacken auf ihrem Rücken. Er zog sich hinauf in die kleine Kuhle unter ihrem Nacken und schlang die Arme um ihren Hals, als sie sich erneut aufbäumte. Das reicht, Saphira!, rief er. Augenblicklich versiegte der Strom ihrer aufgewühlten Gedanken. Er strich ihr über die Schuppen. Alles wird gut. Plötzlich kauerte sie sich zu Boden und klappte die Flügel aus. Unbewegt hingen sie dort einen Moment, dann schnellten sie herunter und Saphira stieß sich ab und stieg in die Lüfte.

Eragon brüllte vor Schreck, als der Boden unter ihm wich und sie sich über die Bäume erhoben. Tosende Luftwirbel schüttelten ihn durch und pressten den Atem aus seinen Lungen. Saphira ignorierte sein Entsetzen und flog in einer scharfen Linkskurve auf den Buckel zu. Unter ihnen erhaschte er einen Blick auf den Hof und den Anora. Sein Magen rebellierte. Er umklammerte Saphiras Hals, konzentrierte sich auf die Schuppen vor seiner Nase und versuchte, die aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken, während sie immer höher in den Himmel emporstieg. Als sie sich schließlich waagerecht legte, fand er den Mut, sich umzuschauen.

Die Luft war so eisig, dass sich Reif auf seinen Wimpern bildete. Sie hatten die Berge schneller erreicht, als er für möglich gehalten hätte. Aus der Luft sahen die Gipfel aus wie gigantische, rasiermesserscharfe Reißzähne, die nur darauf warteten, sie aufzuschlitzen. Plötzlich trudelte Saphira und Eragon rutschte zur Seite. Er leckte sich über die Lippen, schmeckte Galle und vergrub sein Gesicht wieder an ihrem Hals.

Wir müssen zurück, flehte er sie an. Die Fremden sind auf dem Weg zum Hof. Wir müssen Garrow warnen. Kehr um! Sie gab keine Antwort. Er drang in ihren Geist vor, stieß aber auf eine undurchdringliche Mauer aus Angst und Zorn. Fest entschlossen, sie zur Umkehr zu bewegen, rannte er verbissen gegen ihren geistigen Schutzwall an. Er drückte an den schwächeren Stellen, unterwanderte die stärkeren und kämpfte darum, sich Gehör zu verschaffen, aber es war vergebens.

Bald waren sie von Bergen umgeben, die gewaltige weiße Wände bildeten, durchbrochen von schroffen Granitklippen. Die blauen Gletscher zwischen den Gipfeln sahen aus wie gefrorene Flüsse. Lange Täler und Schluchten öffneten sich unter ihnen. Er hörte das aufgeregte Kreischen von Vögeln, als diese Saphira erblickten. An einem Steilhang sah er eine Herde wolliger Bergziegen von einem Felsvorsprung zum nächsten springen.

Eragon wurde von den wirbelnden Windstößen, die Saphiras Flügelschläge erzeugten, durchgeschüttelt, und immer wenn sie ihren Hals bewegte, kippte er von einer Seite auf die andere. Sie schien unermüdlich zu sein. Er hatte schon Angst, dass sie die ganze Nacht weiterfliegen würde, aber als das Tageslicht zu schwinden begann, legte sie sich endlich in einen flachen Sinkflug.

Er schaute voraus und sah, dass sie auf eine kleine Lichtung zuhielten. Saphira kreiste tiefer und ging hinter den Baumwipfeln zur Erde nieder. Sie bremste ab, als der Boden näher kam, fing die Luft mit ihren Flügeln auf und landete auf den Hinterbeinen. Ein Ruck ging durch ihre gewaltigen Muskeln, als sie die Wucht der Landung auffingen. Sie fiel auf die Vorderbeine und machte einen Ausfallschritt, um das Gleichgewicht zu halten. Eragon rutschte von ihr herunter, ohne zu warten, bis sie die Flügel angelegt hatte.

Als er unten aufkam, knickten seine Knie ein, und er fiel kopfüber in den Schnee. Er stöhnte auf, als ein brennender Schmerz in seine Beine schoss und ihm die Tränen in die Augen trieb. Seine vom langen Anspannen verkrampften Glieder zitterten wie Espenlaub. Schlotternd rollte er sich auf den Rücken und streckte sich, so gut es ging. Dann zwang er sich, nach unten zu schauen. An den Innenseiten seiner Oberschenkel verdunkelten zwei große Flecken seine Wollhose. Er berührte den Stoff. Er war feucht. Erschrocken zog er die Hose ein Stück herunter und schnitt eine Grimasse. Die Innenseiten seiner Beine waren aufgescheuert und blutig. Die Haut war verschwunden, abgerieben von Saphiras harten Schuppen. Vorsichtig betastete er die Abschürfungen und zuckte vor Schmerz zusammen. Die Kälte schnitt ihm ins Fleisch, als er die Hose wieder hochzog, und er schrie auf, als der Stoff die empfindlichen Wunden streifte. Er versuchte aufzustehen, aber seine Beine trugen ihn nicht mehr.

Der fortschreitende Abend verdunkelte die Umgebung. Die schattenhaften Berge waren ihm nicht vertraut. Ich bin im Buckel, ich weiß nicht, wo, mitten im tiefsten Winter, mit einem verrückten Drachen, ich kann nicht laufen und also auch keinen Unterschlupf finden. Bald ist es Nacht. Ich kann erst morgen wieder nach Hause. Und die einzige Möglichkeit zurückzukommen, ist, wieder zu fliegen. Das halte ich nicht noch einmal aus! Er atmete tief durch. Ach, ich wünschte, Saphira könnte schon Feuer speien. Er wandte den Kopf und sah sie neben sich auf dem Boden kauern. Er legte ihr eine Hand auf die Seite und merkte, dass Saphira zitterte. Die Mauer um ihren Geist war verschwunden. Jetzt spürte er ganz deutlich ihre Angst. Er schmiegte sich an sie und beruhigte sie allmählich mit sanften Bildern. Warum ängstigen dich diese Fremden so sehr?

Mörder, fauchte sie. Garrow ist in Gefahr und du verschleppst mich einfach! Bist du nicht imstande, mich zu beschützen? Sie ließ ein tiefes Knurren hören und klappte das Maul zu. Ah, aber wenn du doch glaubst, dass du dazu in der Lage bist, warum fliehst du dann?

Der Tod ist ein Gift. Er stützte sich auf einen Ellbogen und verdrängte seine Niedergeschlagenheit. Saphira, schau mal, wo wir sind! Die Sonne ist untergegangen, die Schuppen auf deinem Rücken haben mir die Haut vom Fleisch gerissen, einfach so, wie ich einem Kaninchen das Fell abziehen würde. War das deine Absicht?

Nein. Warum hast du es dann getan?, wollte er wissen. Durch die Verbindung mit Saphira spürte er, dass sie zwar seine Schmerzen, aber nicht ihr Handeln bedauerte. Sie schaute weg und wollte seine Frage nicht beantworten. Die eisigen Temperaturen betäubten seine Beine. Obwohl die Kälte die Schmerzen linderte, wusste er, dass er sich in keinem guten Zustand befand. Er versuchte, Saphira seine Misere klar zu machen. Ich werde erfrieren, wenn du mir keinen Unterschlupf baust, in dem ich mich wärmen kann. Selbst ein Haufen aus Tannennadeln und Ästen würde reichen.

Sie schien erleichtert, dass er sie nicht länger tadelte. Das ist nicht nötig. Ich werde mich an dich kuscheln und mit meinen Flügeln zudecken – das Feuer in mir wird die Kälte fern halten.

Eragon ließ den Kopf auf den Boden zurücksinken. Gut, aber schaufle zuerst den Schnee vom Boden. Dann ist es gemütlicher. Als Antwort zerschlug Saphira mit ihrem Schwanz einen Schneehügel und machte ihn mit einem einzigen kräftigen Hieb dem Erdboden gleich. Sie wischte noch einmal über die Stelle, um die letzten Reste des gehärteten Schnees zu entfernen. Eragon schaute missmutig zu dem freigelegten Fleck hinüber. Ich kann nicht allein dorthin laufen. Du musst mir helfen. Ihr Kopf, so groß wie sein Oberkörper, schwenkte über ihn. Er starrte in ihre großen saphirfarbenen Augen und umfasste einen ihrer elfenbeinartigen Zacken. Sie hob den Kopf und zog ihn langsam zu der frei geräumten Stelle. Sachte, sachte. Er sah Sterne, als er gegen einen Felsbrocken stieß, hielt sich aber an ihr fest. Als er schließlich losließ, legte Saphira sich auf die Seite und bot ihm ihren warmen Bauch dar. Er schmiegte sich an die glatten Schuppen ihrer Unterseite. Ihr rechter Flügel faltete sich über ihm auf und schloss ihn in völliger Dunkelheit ein, wie ein lebendiges Zelt. Fast augenblicklich begann die Kälte zu weichen.

Er zog die Arme ins Innere seines Wamses und band sich die leeren Ärmel um den Hals. Erst jetzt merkte er, wie hungrig er war. Aber das lenkte ihn nicht von seiner größten Sorge ab. Konnte er noch vor den Fremden den Hof erreichen? Und wenn nicht, was würde dann geschehen? Selbst wenn ich mich noch einmal überwinde, Saphira zu reiten, werden wir frühestens am Nachmittag zurück sein. Dann sind die Kerle längst dort gewesen. Er schloss die Augen und spürte, wie eine einzelne Träne über sein Gesicht kullerte. Was habe ich bloß angerichtet?

Buch Eragon

Meine Meinung

Das Buch ist klasse! Es fesselt die Leser GARANTIERT einige Stunden an das Buch! Die Schreibweise ist Phantastisch und die Abenteuer sind miteißend!

Ich kann euch nicht mehr erzählen, lest es einfach^^!

Noch keine Kommentare

Noch keine Kommentare.

Kommentarfeed TrackBack-Indentifikations-URI

Kommentieren